ASF-Geschichte(n), ASF-Weggefährt*innen

Wir trauern um Christian Schmidt

Am 13. Januar 2024 ist Christian Schmidt im Alter von 88 Jahren in Berlin verstorben. Gemeinsam mit ihrem Initiator Präses Lothar Kreyssig (1898–1986) prägte er die Aktion Sühnezeichen in der DDR (ASZ) gleichsam von ihrer ersten Stunde an.

Christian Schmidt beim ASZ Jahrestreffen 1968/69. Bild: Frithjof Meussling

Am 13. Januar 2024 ist Christian Schmidt im Alter von 88 Jahren in Berlin verstorben. Gemeinsam mit ihrem Initiator Präses Lothar Kreyssig (1898–1986) prägte er die Aktion Sühnezeichen in der DDR (ASZ) gleichsam von ihrer ersten Stunde an.

Christian Schmidt war Diakon und Stadtjugendwart in Magdeburg, als er 1962 an den ersten Sommerlagern der ASZ in den Ruinen Magdeburger Kirchen nicht nur teilnahm, sondern sie mit dem ihm eigenen Elan, gepaart mit Humor und Nachdenklichkeit, von allem Anfang an mitgestaltete. Es hieß damals, Präses Kreyssig hat Ideen, Christian Schmidt weiß sie umzusetzen. Sehr bald schon wurde er in den Leitungskreis der ASZ berufen. Drei Jahre später wechselte er in deren Büro in die Berliner Auguststraße und übernahm dessen Leitung. Nach Emeritierung von Präses Kreyssig wurde ihm 1969 das Amt des Leiters der ASZ übertragen, das er bis 1974 innehatte.

Christian Schmidt leitete die Aktion Sühnezeichen in schwieriger Zeit. Den staatlichen Organen der DDR waren die eigenständigen Aktivitäten der Initiative suspekt. Den staatlichen Disziplinierungs- und Vereinnahmungsversuchen hat Christian Schmidt ebenso konsequent wie besonnen widerstanden und stets Auftrag und Selbständigkeit der ASZ verteidigt und bewahrt. Gemeinsam mit dem Leitungsteam hat er der Aktion Sühnezeichen in der DDR ihr spezifisches Profil gegeben. Neben seinem unermüdlichen Einsatz für die Vorbereitung und Durchführung der Sommerlager waren ihm insbesondere die Kontakte nach Polen, in die ČSSR und nach Ungarn ein Anliegen. Die langjährige Zusammenarbeit mit Partnern in den genannten Ländern hatte oft unter seiner Leitung begonnen. Geschickt und couragiert wusste er die damaligen beschränkten Reisemöglichkeiten zu nutzen, um Kontakte auf- und auszubauen.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der hauptamtlichen Tätigkeit blieb er der Aktion Sühnezeichen eng verbunden, zuerst noch im Leitungskreis, später dann als unverzichtbarer Berater der ASZ und immer wieder zu Rate gezogener Gesprächspartner für Mitarbeitende und Verantwortung Tragende. Dankbar sind und bleiben wir Christian Schmidt für all das, was er seit den frühen Jahren der ASZ, in der Zeit seiner Leitung und danach für die Aktion Sühnezeichen und ihre Ausstrahlung getan hat. Ihm verdanken wir den organisatorischen Aufbau und die strukturelle Verstetigung und Festigung unserer Arbeit, insbesondere im Blick auf die Sommerlager, deren Zahl in seiner Zeit gleichsam kontinuierlich angewachsen ist.

Von Präses Kreyssig übernommen hatte er auch die ökumenische Weite und sich schon mit den ersten Magdeburger Sommerlagern eingesetzt, die Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche bei der ASZ zu stärken und Alltag werden lassen. Sein Herz schlug dafür, unermüdlich nach Wegen der Versöhnung zu suchen, sie gemeinsam mit Freunden und Partnern zu gehen und so Sühne-Zeichen zu setzen.

Jetzt hat dieses große Herz zu schlagen aufgehört. In tiefer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von Christian Schmidt, ihn in Gottes Armen geborgen wissend. Über die Traueranzeige hat seine Familie die Worte aus Psalm 103 gesetzt: Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Joachim Rasch, Pfarrer in Bischofswerda und Mitglied im ASF-Vorstand.

Dr. Stefan Schreiner, Seniorprofessor für Religionswissenschaft und Judaistik an der Universität Tübingen, ehem. Mitglied des Leitungskreises von ASZ.

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