Täterschaft im Nationalsozialismus

Zeitschrift: zeichen 1 / 2015

In diesen Tagen erinnern wir uns an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren, die Feierlichkeiten dazu werden in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Nuancen aufweisen und je nach Kontext auch durch verschiedene Schwerpunkte charakterisiert werden.

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Für das in dieser Zeit erscheinende zeichen haben wir uns das Thema der Täterschaft im Nationalsozialismus gewählt. Kein leichtes Thema und gleichzeitig eines, das uns gerade in diesen Tagen besonders am Herzen liegt. Wenn man von Zeitzeug_innen des Nationalsozialismus spricht, dann verstehen wir in den meisten Fällen darunter Menschen, die zwischen 1933 und 1945 verfolgt worden sind. Wir verstehen darunter nur selten diejenigen, die für ihre Leiden verantwortlich waren.

Die Täterinnen und Täter, die eine führende Rolle in dem Unrechtsstaat einnahmen, aber auch diejenigen die „einfach“ nur daneben gestanden haben, als ihren Nachbar_innen Unrecht widerfuhr. Die ganz normalen Deutschen. Wo beginnt Täterschaft? Welche Rolle spielten Frauen im Nationalsozialismus? Wie können wir an „Täterorten“ wie der Topographie des Terrors angemessen erinnern? Und nicht zuletzt: Was heißt das Tun oder gerade Nicht-Tun, sondern Untätig-daneben-Stehen für uns als Nachgeborene? Zum Nachdenken über diese und andere Fragen möchten wir Sie und Euch auf den nächsten Seiten einladen.

Eine schwierige Frage bestand für uns darin, mit welchen Bildern wir dieses zeichen illustrieren sollen. Gerade wenn man über Täterinnen und Täter spricht, ist es wichtig, auch den Menschen, die unter ihnen gelitten haben, einen großen Raum in der Darstellung zu geben. Daher befinden sich auf den nächsten Seiten überwiegend Bilder, die aus dem Ghetto Łódź stammen und von den jüdischen Fotografen, u.a. von Mendel Grosman und Henryk Ross angefertigt wurden. Die Fotos von letzterem sind später als Beweise im Prozess gegen Adolf Eichmann zugelassen worden. Doch nicht nur deswegen sind die Bilder einzigartige Dokumente und von großer Kostbarkeit, so zeigen sie das Leben in dem Ghetto von 1939 bis 1944 in seinen verschiedenen Facetten.

Das Ghetto Łódź wurde im 1939 besetzten Polen errichtet und diente als Zwischenstation vor den Vernichtungslagern. Die Bilder zeigen Hunger, Deportation und Zwangsarbeit. Wir sehen aber auch Hochzeiten und Schulunterricht und die Bilder führen so nachdrücklich vor Augen, wie Jüdinnen und Juden auch angesichts des Grauens versuchten Traditionen, Unterricht und religiöses Leben aufrechtzuerhalten, gerade auch für die vielen zigtausend Kinder, die in diesem Ghetto leben mussten.

Diesen widerständigen Geist zu zeigen, war uns ein besonderes Anliegen – und das gerade in einem zeichen, das sich primär mit den Täterinnen und Tätern befasst.

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