Stimmen aus dem Exil

Zeitschrift: zeichen 2/2023

Dieses zeichen gilt den Menschen und ihren Geschichten im Exil. Ihr Leben erzählt von den Brüchen für Menschen im Exil, aber auch von ihrer Kraft zur Selbstbehauptung. Wir berichten von mehr und weniger bekannten Menschen, die vor den Nazis aus Deutschland flüchten mussten oder aber in den letzten Jahren in Berlin Zuflucht vor Krieg und Repression suchten.

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Die Frau auf dem Titelbild ist Ellen Auerbach. Sie schaut uns aus ihrer New Yorker Küche an. Im Berlin der Zwanziger Jahre revolutionierte sie die Portraitfotografie. 1933 flüchtete sie als Jüdin ins damalige Mandatsgebiet Palästina. Später zieht sie nach New York, wo sie bleibt. Überall ist es schwer, erst spät werden ihre Aufnahmen wiederentdeckt.

Dieses Leben erzählt von den Brüchen für Menschen im Exil, aber auch von ihrer Kraft zur Selbstbehauptung. In unserer neuen Ausgabe des zeichen berichten wir von mehr und weniger bekannten Menschen, die vor den Nazis aus Deutschland flüchten mussten oder aber in den letzten Jahren in Berlin Zuflucht vor Krieg und Repression suchten. Sie kommen aus Eritrea, Syrien, der Türkei, Belarus, der Ukraine, Aserbaidschan und Russland. All diese Menschen sind Teil deutscher Geschichte(n) und Gegenwart.

Oder sie haben deutsche Wurzeln und flüchteten vor der Shoah nach #Israel. Hochbetagt mussten sie nun die Terrorangriffe der Hamas erleben. ASF-Geschäftsführerin Jutta Weduwen und der frühere Israel-Freiwillige und Vorsitzende von ACHMA Germany, Lukas Welz, berichten über die Folgen für die Überlebenden und die Israelarbeit von ASF.

All diese Leben haben eine Geschichte, die mehr ist als Verfolgung und Exil und die doch zeitlebens von dieser Zäsur geprägt bleibt. Doch sie wurden entweder gar nicht gehört oder konnten sich nur gegen harte Widerstände Gehör verschaffen. Dieses #zeichen gilt den Stimmen aus dem Exil.

Die Kuratorin Cornelia Vossen berichtet, wie in einem Museum des Exils diese Erfahrung als Schlüssel zu unserer Gegenwart dienen kann. Der türkische Journalist Can Dündar lotet in seiner „Rede zum Exil“ aus, wie ambivalent es als Intellektueller ist, Einspruch zu erheben, ohne immer nur aufs Dissidentsein reduziert zu werden. Laura Lemmer wiederum problematisiert die Abwertung von Fluchtformen, die nicht dem klassischen Exilbild entsprechen. Beiträge aus Belarus und Russland beschreiben, wie sich das Leben nach der Emigration in Folge von Repression und Angriffskrieg gegen die Ukraine ändert – und zwar für die, die gehen, wie die, die dableiben. Und frühere ASF-Freiwillige helfen einem Wolgograder Bekannten, der sich nun in der deutschen Bürokratie wiederfindet. ASF–Freiwillige aus Frankreich und Belarus erzählen über das Grandhotel Cosmopolis, das in Augusburg Schutz für geflüchtete Menschen, darunter viele aus der Ukraine, bietet.

Jüdisches Leben steht immer auch im Zeichen von Verfolgung und Exil. Jan Plamper und Frank Caestecker beschreiben, wie Menschen aus Osteuropa erst vor Pogromen und Armut flüchten, nur um dann als erste von der NS-Verfolgung getroffen zu werden. Auf ihrer erneuten Flucht waren sie auch in Westeuropa nicht gern gesehen. Für viele führte ihr Weg dann nach Israel, das ihnen Schutzraum war und doch für manche eine Fremde blieb, ihr zerstörtes Europa wurde so zum geistigen Exil, wie Sebastian Schirrmeister schreibt.

Die antisemitische Terrorwelle vom 7. Oktober hat uns erschüttert. Die Menschen in Israel wie jüdisches Leben weltweit werden bedroht. Die Gräueltaten haben bei vielen Überlebenden und ihren Familien Traumata geweckt. ASF stellt sich in dieser Situation an die Seite der getroffenen Menschen – und gegen jeden Antisemitismus. Wir hoffen auf die Freilassung der Geiseln, die Beendigung der Gefahr und nach wie vor auf eine friedliche Koexistenz. Auch dazu mehr in diesem zeichen.

Besonders freuen wir uns über den Artikel von Jan Plamper, der Anfang der Neunziger Jahre seinen Freiwilligendienst in St. Petersburg mit ASF leistete und uns vor seinem Tod noch seinen Text über das jüdische Leben im Scheunenviertel, der Nachbarschaft vom ASF-Büro, zum Widerabdruck gab.

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