Begegnungen mit Überlebenden

Zeitschrift: zeichen 3 / 2022

Fast alle ASF-Freiwilligen begegnen in ihrem Dienst Überlebenden der nationalsozialistischen Verfolgung. Mittlerweile liegen zwischen den meist um die 20 Jahre alten Freiwilligen und den hochbetagten Überlebenden Generationen, in den Anfangsjahren von Aktion Sühnezeichen waren es manchmal nur ein paar Jahre Altersunterschied.

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Die Berichte der Freiwilligen in diesem zeichen erzählen uns von intensiven Begegnungen und Erinnerungen mit ganz unterschiedlichen Menschen. Als Zeitzeug*innen berichten diese von verschiedenen Lebenswelten, Epochen und Weltregionen – Vorkriegszeit und Kindheit, NS-Herrschaft und Verfolgung, Kalter Krieg und Gegenwart. Berlin, Olomouc, Stutthof, Schweden, Krakau, Dessau, London, Majdanek, Amsterdam, Theresienstadt, Rügen, Australien, Israel oder die USA.

Schon lange werden wir bei ASF gefragt, was der Sinn unserer Arbeit sein kann, wenn die Überlebenden nicht mehr da sind. Unsere Antwort ist zunächst: Sie sind noch da! Dies zeigen die lebendigen Stimmen in diesem Heft von unseren engen Partnerinnen Marianne Karmon aus Jerusalem und Michaela Vidláková aus Prag, die als Kinderüberlebende heute auch an die Verfolgung ihrer Eltern erinnert.

Unsere Freiwilligen haben auch Kontakt zu jüngeren Kinderüberlebenden sowie den Nachfahren von Verfolgten, die teilweise keine Erinnerungen an die Zeit bis 1945 haben, deren Leben dennoch von der Verfolgung und dem Verlust sowie den Traumata des Verstecks und des Überlebens geprägt sind. Sie berichten vom fortwährenden Schweigen und Ängsten, aber auch von einer gelingenden Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte, wie die Filmemacherin Batya Wolff. Verena Sekanina wiederum schildert, wie der Kampf um öffentliche Erinnerung an ihre als Sinti verfolgte Familie bestärkend wirkt. Und das Projekt ZWEITZEUGEN vermittelt über junge Multiplikator*innen die Lebensgeschichten von Verfolgten weiter.

Lukas Welz, ehemaliger Freiwilliger, unterstützt heute als Vorsitzender von AMCHA die psychosoziale Hilfe für Shoah-Überlebende. Er beschreibt eindrücklich, welche besondere Last Überlebende nach ihrer Befreiung bis heute spüren, weil sie Antisemitismus oder Kriegsgefahr (wieder)erleben müssen. Zugleich zeigt er auf, dass Überlebende nicht als passive Opfer, sondern als Gemeinschaft aktiver Überlebender angesprochen werden können.

Wir lassen in diesem Heft auch die Opfer-Gruppen zu Wort kommen, die nach 1945 wenig oder erst sehr späte Anerkennung gefunden haben: LGBTIQ*, Sinti*zze und Rom*nja, Zwangsarbeiter*innen und Frauen, die im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren. Die Direktorin der Gedenkstätte Ravensbrück Andrea Genest schreibt über sie: „Die Menschen, die endlich gehört werden sollen, leben oft nicht mehr“. Umso wichtiger ist es, ihre Geschichten zu erzählen und nach den Gründen zu fragen, warum sie so lange stigmatisiert wurden und immer noch werden.

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