„Ich möchte Jugendlichen das besondere Erlebnis eines Friedensdienstes mit ASF ermöglichen.“

Susanne Kühn war 1989/90 Freiwillige in den Niederlanden und fühlt sich bis heute eng mit Aktion Sühnezeichen verbunden. Sie hat kürzlich ASF als Begünstigte in ihr Testament aufgenommen. Katharina Gloe hat mit ihr über diese bewusste(n) Entscheidung(en) gesprochen – für den Freiwilligendienst und für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Katharina Gloe: Sie waren 1989/90 ASF-Freiwillige in den Niederlanden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und warum haben Sie sich für den Freiwilligendienst bei ASF beworben?

Susanne Kühn: Ich habe ein Jahr lang im Projekt „Samen wonen – Samen leven“  in Rotterdam gearbeitet. Das Projekt war zweigeteilt: Ich habe im Büro zum einen den Versand von interkulturellen Unterrichtsmaterialen für Grundschulen unterstützt und zudem Stadtteilarbeit geleistet. Diese sah ganz unterschiedlich aus. So habe ich etwa mit marokkanischen Frauen Fahrradfahren geübt, mit Kindern eine Kinderzeitung herausgebracht und eine türkische Frauengruppe begleitet. Auf ASF gebracht hat mich ganz zufällig ein Flyer in der WG-Küche. Die Entscheidung für ASF war aber dann ganz bewusst: Ich wollte Verantwortung tragen für mein Deutschsein und ein Sühnezeichen in die Welt schicken.

Welche Bedeutung hat der Freiwilligendienst für Ihren Lebensweg?

Der Freiwilligendienst war in vielerlei Hinsicht sehr prägend. Nach dem Dienst bin ich nicht zurückgegangen, jedenfalls nicht sofort. Ich habe noch weitere zehn Jahre in den Niederlanden verbracht und auch dort studiert. Meine Erfahrungen aus dem Dienst, Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz, sind für mich zum Job geworden: Ich berate Erzieher*innen in Kitas.

Wie kam es zu der Entscheidung, ASF als Begünstigte in Ihr Testament aufzunehmen?

Da ich keine Kinder habe, habe ich schon früh in meinem Leben beschlossen, eine gemeinnützige Organisation in meinem Testament zu bedenken. Dabei habe ich mich gefragt, welche Organisation gibt mir ein gutes Gefühl, den Eindruck, dass nach meinem Tod etwas Sinnvolles mit meinem Eigentum passiert. Schlussendlich habe ich ASF ausgewählt, weil die Erfahrungen des Freiwilligendienstes und die Fragen, die ich mir dabei ganz persönlich gestellt habe, für mich so prägend waren. Ich möchte dazu beitragen, dass Jugendliche das Erlebnis haben können, sich an einem für sie fremden Ort zurechtzufinden, auf eigenen Beinen zu stehen und zum Sühnegedanken eine Haltung zu entwickeln.

Was raten Sie anderen Menschen, die eine gemeinnützige Organisation in ihrem Nachlass bedenken möchten?

Das ist eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich war die Beratung durch Dagmar Pruin als Ansprechpartnerin von ASF sehr hilfreich. Das persönliche Gespräch klärte alle Fragen und gab mir die Sicherheit, dass bei ASF sorgfältig und wertschätzend mit meinem Eigentum umgegangen wird und dass individuelle Wünsche berücksichtigt werden.

Susanne Kühn ist Diplom-Pädagogin. Seit 2005 arbeitet sie selbstständig als Fortbildnerin. Gleichzeitig bietet sie fachliche Begleitung von Projekten zur Sprachbildung in Kitas und zur Sprachförderung in Eltern-Kind-Gruppen an. Seit 2010 arbeitet sie auch als Coach. Susanne Kühn hat Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in ihr Testament aufgenommen.

Katharina Gloe ist ehemalige ASF-Freiwillige in Polen der Generation 2013/14 und war als studentische Mitarbeiterin bei ASF im Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Mehr Information zum Erben und Vererben für den guten Zweck finden Sie hier.

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