Gerhard Richter BIRKENAU
Die vier Fotografien, die 1944 von Häftlingen des Sonderkommandos heimlich und unter Einsatz ihres Lebens aufgenommen wurden, gelten als die einzigen fotografischen Dokumente des Holocaust, die die Ermordung und Verbrennung der Leichen der jüdischen Bevölkerung in Auschwitz dokumentieren. Für den Maler Gerhard Richter bildeten sie den Ausgangspunkt und die Grundlage für das 2014 entstandene Werk „Bilder aus Birkenau“ – beeindruckt von diesen Fotografien beschloss er vor vielen Jahren, das Thema in vier abstrakten, großformatigen Gemälden wieder aufzugreifen. Zu den Originalen gibt es Editionen, von denen Gerhard Richter 2020 dem Internationalen Auschwitz-Komitee als Dauerleihgabe für eine Ausstellung in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte zur Verfügung gestellt hat.
Gerhard Richter ist einer der bekanntesten deutschen Künstler. Er arbeitet in den Bereichen Malerei, Fotografie und Bildhauerei. In seinem Werk verwendet er häufig Fotografien als Vorlage für seine Gemälde.
Der Gerhard Richter BIRKENAU Ausstellungspavillon wurde von Gerhard Richter und Sabine Moritz-Richter entworfen. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit Christoph Heubner, dem Internationalen Auschwitz-Komitee, der Stiftung für die Internationale Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim und der Stadt Oświęcim entwickelt. Der architektonische Entwurf des Gebäudes von Gerhard Richter wurde von dem Architekten Edwin Heinz – GMS Architekten PartGmbB, Isny / Allgäu und dem Architekturbüro Susuł & Strama Architekci, Oświęcim, betreut und ausgeführt. Der Bau des Pavillons Gerhard Richter BIRKENAU wurde durch eine Spende der Volkswagen AG ermöglicht.
Seit der Eröffnung gibt es auch Kritik am Bau und Konzept der Ausstellung. Der Künstler Leo Kahane setzt sich in einer Ausstellung in Köln mit der Frage auseinander, wer mit seinen historischen und künstlerischen Perspektiven eine Öffentlichkeit bekommt oder nicht und warum Perspektiven von Jüdinnen*Juden oder Roma* weniger Aufmerksamkeit und Zugänge bekommen. Die von Richter übermalten Fotografien, die KZ-Gefangene in Auschwitz unter Lebensgefahr heimlich aufgenommen haben, kritisiert er zudem auch in der jüdischen Tradition des Gebots sich kein Bildnis zu machen. In einem zeichen-Artikel (01/2025) schreibt die ehemalige ASF-Freiwillige Hannah Schmidt nach einem Besuch der Ausstellung über diese Fragen.
Die Dauerausstellung kann von Montag bis Freitag von 9.00 bis 16.00 Uhr besichtigt werden. Es ist auch möglich, außerhalb der regulären Besuchszeiten einen individuellen Termin zu vereinbaren.