ASF-Weggefährt*innen, Predigthilfe
„Wenn jemand spricht, wird es heller“
Als Theologe und Pfarrer war er tief geprägt von den Abgründen der Shoah und dem Versagen der Kirchen im Angesicht von Auschwitz zur Zeit des Nationalsozialismus, aber auch lange danach – und den wenigen mutigen Frauen und Männern, die sich dem entgegenstellten, gerade auch in seiner Heimat Berlin-Dahlem. Ernst Lange, Helmut Gollwitzer, Friedrich-Wilhelm Marquardt und Peter von der Osten-Sacken waren seine Lehrer. Als Studienleiter am Pädagogisch-Theologischen Institut im Evangelischen Bildungswerk Berlin, auf zahlreichen Kirchentagsseminaren, Studienreisen und lange noch im Ruhestand war er immerzu Lehrender und Lernender zugleich. Er setzte sich mit aller Kraft und allem Geist für ein Verlernen der ganzen antijüdisch geladenen Selbstverständlichkeiten im christlichen Kanon und für ein wirkliches offenes jüdisch-christliches Gespräch ein.
Er sprach und schrieb an vielen Orten: 15 Jahre lang prägte er im Team mit Ingrid Schmidt die ASF-Predigthilfen zum 27. Januar, 9. November und zum Israelsonntag. Erst war Helmut Ruppel nicht so klar, dass er das als festen Teil seines auch sonst nicht geringen Engagements für eine anamnetische und antisemitismuskritische Theologie und Kirche in sein und ihr gemeinsames Tagewerk aufnehmen würde. Aber wunderbarerweise geschah es. Die inspirierende Zusammenarbeit hatte 2008 begonnen mit der Planung für den Prozessionsgottesdienst zum 50-jährigen Jubiläum von ASF durch die Mitte Berlins unter dem biblischen Banner:
Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist und was Gott von Dir fordert, Recht tun, Liebe üben und demütig mitgehen mit deinem Gott. (Michael 6,8)
Ein großartiger Gottesdienst, der mehr als erfüllend war. Die Spuren, die wir versuchten, mit den Predigthilfen zu legen, entstanden in intensiven Gesprächen im besten Sinne über Gott und die Welt, über ASF und Kirche, Theologie und was alles zu ändern wäre, über Bilder, die wir den Predigthilfen beigeben wollten, über das, was unbedingt zu verlernen wäre. Die Rubrik „Verlernen“ wurde ein fester Bestandteil in unseren Publikationen. Darin setze er sich mit antijüdischen Bildern und Redewendungen auseinander wie vom Saulus zum Paulus, altestamentarisch – alttestamentlich, Opferung Isaaks. (https://asf-ev.de/veroeffentlichungen/antisemitismus/)
Helmut Ruppel hatte eine unglaublich schöne poetische Phantasie und Sprache. Spielerisch, leicht, auch lustig und doch klar, genau, sensibel und das Dunkel nicht scheuend. Wie er Wissen, Musik und Glauben in wenigen Zeilen verband, zeigt dieser schöne Abendsegen von ihm zum 27. Januar 2025, im RBB von ihm selbst eingesprochen:
„Morgen ist der 27. Januar, der Schoa-Gedenktag – kein leichter Wochenanfang. Der deutsche Versuch, das jüdische Volk umzubringen – dafür fehlt die Sprache. Deshalb spreche ich von Musik und Yehudi Menuhin. […].“
(https://www.kirche-im-rbb.de/sendungen/abendsegen/la-part-de-dieu)
Wenn man Helmut Ruppel hier hört, erfährt man intuitiv diesen Satz von ihm: „Wenn jemand spricht, wird es heller“ (Helmut Ruppel, Abendsegen rbb 88`8). Wir sind dankbar, so oft von ihm gehört zu haben und werden ihn immer wieder in unseren Erinnerungen hören.
Wir werden ihn sehr vermissen: seine sprühende Begeisterung, seine augenzwinkernde menschenfreundliche Ironie, seine poetische Sprache, seine Klugheit, sein Wirken und seine Liebenswürdigkeit, die einen bei jeder Begegnung hier in der Auguststraße oder bei ihm in Berlin-Dahlem berührte.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Maria, seinen Kindern und Enkelkindern, seiner Familie und allen, die ihm nahe waren.
Jutta Weduwen, ASF-Geschäftsführerin
Dr. Christian Staffa, Antisemitismusbeauftragter der EKD und ehemaliger ASF-Geschäftsführer
Texte von Helmut Ruppel
Viele Texte sind hier zu finden:
Persönlicher Blog: https://www.helmut-ruppel.de
ASF-Predigthilfen: www.asf-ev.de/predigthilfe