Krieg und Frieden, Spenden, Ukraine
Zwischen Zerstörung und Zuversicht
Die Kartons mit Medikamenten, Hygienemitteln, Säuglingsnahrung und Werkzeug sind eben ausgeladen. Nun haben wir Zeit für ein erstes Gespräch mit den Partner*innen von Winds of Change.
Odesa wirkt auf den ersten Blick wie eine lebendige Metropole im Hochsommer. Die Alleen sind grün, Cafés und Plätze belebt. Doch der zweite Blick zeigt die offenen Wunden dieser Stadt und ihrer Menschen. Unsere Partner führen uns zu den Orten der meist nächtlichen Angriffe. Fast jede Nacht kann es willkürlich ein anderes Wohnviertel treffen. Wohnblocks, einen malerischen Hinterhof in der Altstadt, Datschen in einem Vorort. Die unsicheren Nächte ohne Schlaf zehren aus. Besonders trifft es die Schwächsten: Kinder, Ältere, Menschen mit Behinderung oder Erkrankung.
Die mobilen Krisenteams von unserem Partner Winds of Change fahren nach solchen Angriffen zu jenen, die gerade alles verloren haben. Sie helfen seelsorgerisch und ganz praktisch bei Anträgen, dem Organisieren einer Notunterkunft oder Plastikplanen für die vielen zerstörten Fenster – künftig mit einem Gruppenwagen, den wir aus Beständen des Katastrophenschutzes günstig erstanden und ins Land überführt haben. Gerade mit Blick auf den Herbst und Winter können hier die obdachlos gewordenen Menschen im Warmen betreut werden, bevor sie durch Winds of Change in eine Notunterkunft gebracht werden.
Der zweite Wagen ist ein Rettungswagen zum Transport von mehreren Verletzten. Er wird bei Evakuierungen in Cherson helfen, wo Artillerie und Drohnen das Leben noch unsicherer machen, weil jeden Tag gezielt Jagd gemacht wird auf die Bewohner*innen, die hier noch immer in ihren Wohnhäusern und Höfen ausharren, weil sie zu arm oder alt sind, um zu fliehen, oder weil sie sich ganz bewusst dafür entscheiden zu bleiben. Winds of Changes hilft in einem Netzwerk diesen Menschen und schickt zudem in einem UNICEF-Programm mobile Teams zu Bildungseinrichtungen. Hier helfen sie individuell oder gruppenweise mit Therapie- und Entspannungsangeboten den vom Krieg traumatisierten Kindern.
Mitsamt den Wagen bringen wir lebensnotwendige Medikamente, die dank Apotheker ohne Grenzen und dem Hilfsnetzwerk für die NS-Überlebenden in größerem Umfang beschafft werden konnten. Sie gehen an eine Kinderklinik und eine Psychiatrie sowie an ältere Menschen in Odesa und anderen Regionen, darunter sind immer noch viele NS-Überlebende, die nun 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hochbetagt abermals einen Krieg überstehen müssen. Viele ältere Menschen, die allein in ihren Wohnungen oder Häusern ausharren, leiden unter einer besonders prekären Versorgung. Hygienemittel und Säuglingsnahrung bekommen Familien, die von der Front geflohen sind. Außerdem haben wir White Boards dabei, die die Bildungsarbeit von Winds Of Change in ihren Familienzentren unterstützen.
Hier werden Betreuung, Bildung, Therapie und Sozialarbeit innovativ an einem sicheren Ort verbunden. Damit wird gezielt ein Angebot für die vielen Familien geschaffen, die aus den östlichen Frontgebieten geflohen sind, aber auch für zahlreiche Familien, die ohnehin schon in prekären Verhältnissen in den entlegenen Umlandgebieten Odesas leben. Für das erste solche Zentrum hatten wir vor zwei Jahren bei der Einrichtung, Technik und Bildungsmaterialien geholfen. Nun werden in Odesa, aber auch weiteren Regionen wie Mykolajiw und Cherson in Kooperation mit den örtlichen Kommunen weitere solche Zentren aufgebaut. Das zeigt, wie stark und erfindungsreich die ukrainische Zivilgesellschaft trotz oder gerade wegen all der Zumutungen dieses Krieges an der Zukunft des Landes arbeitet.
Diese Fahrt hat uns abermals gezeigt, wie schrecklich und brutal die russische Aggression auf die Menschen in der Ukraine wirkt und zugleich Hoffnung gegeben, dass Solidarität und Zuversicht trotz allem stärker sind.
Der nächste Transport in der zweiten Jahreshälfte ist schon in Planung.
Der Berlin Odessa Express ist eine rein ehrenamtliche Initiative, die auf Spenden und persönlicher Beteiligung beruht. Jeder Betrag hilft.
https://www.we-aid.org/initiatives-2/berlinodessaexpress
Jetzt spenden
Der Berlin Odessa Express ist eine rein ehrenamtliche Initiative, die auf Spenden und persönlicher Beteiligung beruht. Jeder Betrag hilft.
Die Plattform WEAID der Stiftung Phineo verwaltet die Spenden:
Ansprechperson
Matteo Schürenberg
Referent für Öffentlichkeitsarbeit & stellvertretender Geschäftsführer
Mail: schuerenberg[at]asf-ev.de
Tel: +49 30 28395-203
Mobil: +49 1511 7776953
Fax: +49 30 28395-135
Eindrücke von der Fahrt