Wir stehen an der Seite der Menschen in der Ukraine
Wir erinnern am vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die ganze Ukraine an die Menschen, die unter immer neuen Attacken auf Wohnviertel, Krankenhäuser, Schulen und Versorgungssysteme leiden. Bereits acht Jahre griff Russland die Krim und den Osten des Landes an. ASF kann seitdem keine Freiwilligen mehr in die Ukraine entsenden. Stattdessen unterstützt ASF mit dem BerlinOdessaExpress humanitäre Hilfe vor Ort. Ukrainische Freiwillige sind zudem in den Freiwilligenprogrammen in Deutschland und Polen tätig, wie Khrystyna. Sie erinnerte in einem besonderen Gottesdienst der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau an die Menschen in ihrem Land.
Bei dem Gedenkgottesdienst wurde an den NS-Überlebenden Vasyl Volodko erinnert.
Russlands unerbittliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung trifft die ganze Gesellschaft und besonders stark die Schwächsten wie Kinder und Familien, ärmere und kranke Menschen sowie viele ältere Menschen. Auf dem Land leben viele von ihnen in entlegenen Dörfern, oftmals alleinstehend. Sie können oder wollen ihre kleinen Häuser mit Garten und Tieren nicht verlassen und harren oftmals als Letzte noch nahe der Front aus. In solchen Regionen wie in Cherson machen russische Drohnen gezielt Jagd auf die letzten verbliebenen Bewohner*innen und auch auf die Menschen, die sie unter schwierigsten Bedingungen versorgen.
Unter diesen alten Menschen sind immer noch Zeitzeug*innen, die heute hochbetagt vor über 80 Jahren als Kinder Holodomor, NS-Vernichtungskrieg, Shoah und stalinistische Repression überlebten, nur um heute in einem neuen Krieg unter schwierigsten Bedingungen bestehen zu müssen.
Wir stehen an ihrer Seite, wie auch an der Seite aller anderen Menschen im Land. Wir hören ihre Stimmen, ihren Ruf nach einem gerechten Frieden in Freiheit und Sicherheit. In einem Gedenkgottesdienst vergangenen Sonntag sprach Khrystyna, die ukrainische ASF-Freiwillige an der Evangelischen Versöhnungskirche Dachau diese Fürbitte:
Wir legen dir ans Herz Vasyl Volodko aus Hlewacha bei unserer Hauptstadt Kyiv, er hat das KZ Dachau überlebt, ist jetzt 101 und durch den Krieg erneut in Lebensgefahr, wie auch meine Familie und so viele Menschen in meinem Land, in der Ukraine. Verlass sie und uns alle nicht.
Liturg: Wir rufen:
Gemeinde: Erbarme dich!
Vasyl Volodko wurde 1924 in Schyroka Dolyna, Gebiet Poltava geboren. Er wuchs auf einer Kolchose auf und überlebte die große Hungersnot im Holodomor. Mit 17 Jahren erlebte er die NS-Besatzung. Beim Plakatieren von Widerstandslosungen wurde er festgenommen. Er musste Zwangsarbeit im saarländischen Bergbau leisten und überlebte mehrere KZ, Folter und Todesmärsche, auch das KZ Dachau. Nach dem Krieg wurde er Ingenieur. Er lebt heute mit Frau und Tochter bei Kyiv.
Gottesdienst im Gedenken
Der Radio-Gottesdienst wurde im Deutschlandfunk und dem Saarländischen Rundfunk übertragen und kann hier nachgehört werden:
Die ASF-Freiwillige Khrystyna, Pastor Björn Mensing und die Schülerin Marlene Anwender (Sophie-Scholl-Gymnasium München) im Gottesdienst am 22. Februar.
Die ASF-Freiwillige Khrystyna aus der Ukraine engagiert sich für die Begegnungsarbeit in der Versöhnungskirche Dachau.
Die Evangelische Versöhnungskirche auf der KZ-Gedenkstätte Dachau bei München. Photo: KZ-Gedenkstätte Dachau