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Wege freilegen, Erinnerung bewahren: Auf den Spuren der Zivilcourage in Griechenland
Hoch über dem Golf von Korinth liegt das kleine Dorf Kryoneri. Während der deutschen Besatzung Griechenlands wurde es zum Zufluchtsort für eine jüdische Familie: Dorfbewohner*innen versteckten die damals sechsjährige Rivka Kamhi und ihre Angehörigen vor der nationalsozialistischen Verfolgung. Die Familie überlebte die Shoah. Bis heute erzählt die Karamanos-Höhle in den Bergen von diesem außergewöhnlichen Mut.
Vom 25. Juni bis 4. Juli 2026 kamen hier 25 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich, Griechenland, Spanien, Frankreich und der Ukraine zusammen. Das von ASF gemeinsam mit der griechischen Partnerorganisation Filoxenia organisierte Sommerlager wurde durch das Programm „Citizens, Equality, Rights and Values“ (CERV) der Europäischen Union gefördert und verband praktische Arbeit mit historisch-politischer Bildung und internationaler Begegnung.
Mit Schaufel und Schere gegen das Vergessen
Bei sommerlicher Hitze schnitten die Freiwilligen Sträucher zurück, befreiten überwucherte Wanderwege und setzten beschädigte Treppen instand. Besonders wichtig war der Weg zur Karamanos-Höhle – jenem Ort, an dem Rivkas Familie Schutz fand.
Was zunächst nach gewöhnlicher Landschaftspflege klingt, bekam durch die Geschichte des Ortes eine tiefere Bedeutung: Die Wege wieder begehbar zu machen, heißt auch, den Zugang zur Erinnerung offenzuhalten.
„Mir hat es sehr gut gefallen, dass wir an einem Ort waren, in dem Menschen viel Zivilcourage aufgebracht haben, um anderen zu helfen. Das fand ich sehr inspirierend und hat mir auch Hoffnung gegeben“, berichtete eine teilnehmende Person anschließend.
Geschichte verstehen, Verantwortung diskutieren
Wie erinnern wir an Verbrechen? Welche Geschichten werden erzählt, welche vergessen? In Workshops beschäftigte sich die Gruppe mit Erinnerungskultur, der deutschen Besatzung Griechenlands und dem Holocaust. Historische Fotografien und Gespräche eröffneten neue Perspektiven auf eine Geschichte, die in Deutschland oft wenig bekannt ist.
Besonders eindrücklich war der Besuch in Kalavryta. Dort verübte die deutsche Wehrmacht 1943 ein Massaker an der Zivilbevölkerung. Im örtlichen Museum und an der Gedenkstätte setzte sich die Gruppe mit den Verbrechen auseinander. Dabei blieb es nicht beim Blick zurück: Die Teilnehmenden diskutierten auch aktuelle politische Fragen und die Bedeutung von Zivilcourage heute.
Aus Fremden werden Freund*innen
Neben der intensiven Auseinandersetzung mit Geschichte blieb Raum für Begegnungen: gemeinsame Wanderungen, Gespräche, ein internationaler Abend mit Essen und Musik aus verschiedenen Ländern und Ausflüge ans Meer. Aus einer Gruppe von Menschen unterschiedlicher Herkunft entstand ein gemeinsames Erlebnis.
„Viele interessante Gespräche und neue Perspektiven“, nahm eine Person mit nach Hause. Eine andere fasste ihre Erfahrungen so zusammen: „Wissen über die griechische Geschichte, die Geschichte von Kryoneri, Zivilcourage und die deutsche Besatzung und wie wichtig solche Begegnungen sind, um Vorurteilen vorzubeugen.“ Auch die Rückmeldungen sprechen für sich: Alle Teilnehmenden würden das Begegnungsprogramm weiterempfehlen.
Was bleibt, sind neue Freundschaften, geschärfte Perspektiven und ein Stück freigelegter Weg durch die griechischen Berge. Vor allem aber bleibt die Erkenntnis: Erinnerung ist nichts Selbstverständliches. Sie braucht Menschen, die sich auf den Weg machen – und Verantwortung übernehmen.
