Vielfältiges Erinnern mit Blick auf die Gegenwart
Freiwillige gestalten Erinnerung: durch Begegnung und Engagement
Freiwillige an Gedenkstätten wie Auschwitz, Izieu, Terezin, Dachau oder Falstad setzen sich an den historischen Orten der NS-Verfolgung nicht nur an den Gedenktagen mit der Gewaltgeschichte und ihren Folgen für die Opfer und deren Nachkommen auseinander. Tagtäglich erfahren sie in ihrem zwölfmonatigen Freiwilligendienst diese Geschichte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Zeitzeug*innen und ihre Familien, Historiker*innen, mit denen sie zusammenarbeiten, Besucher*innen aus unterschiedlichen Ländern und ganz verschiedenen Bezügen zur NS-Zeit. Andere Freiwillige erleben in der sozialen Arbeit, z.B. der Begleitung von NS-Überlebenden, aber auch Menschen mit Behinderung, Suchtkranken oder Geflüchteten die alten neuen Formen von Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung, aber auch den Wert von Solidarität und praktischem Engagement in der Zivilgesellschaft.
Für sie alle steckt dieses Jahr im Ausland voller Begegnungen und Erfahrungen, die lebendige, weil gelebte Erinnerungskultur ausmachen. Auch, aber nicht nur an Gedenktagen wie dem 9. November oder wie aktuell dem 27. Januar, erinnern sie aktiv an die Verfolgten, hinterfragen aber auch die Rolle der Täter*innen, wer im Nationalsozialismus von diesen Verbrechen profitierte und welche Verantwortung sich daraus heute stellt.
Sie begleiten noch immer Überlebende und Zeitzeug*innen dieser Verfolgung, die als Kinder die Shoah oder den Vernichtungskrieg im östlichen Europa überlebten oder sie erfahren von den Nachkommen der zweiten Generation, wie tief und lang die Folgen dieser Verbrechen in den Familien fortwirken. Zugleich sind sie an ihren Freiwilligenstellen auch Teil lebendiger Gemeinden, ob in einem jüdischen Pflegeheim in Oslo oder Boston, ob in einem tschechischen Museum für Romakultur oder einem Kulturzentrum für Geflüchtete in Rotterdam. Sie erfahren hier den Alltag dieser Menschen, der aus vielem besteht, leider auch immer noch Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus.
Freiwillige haben am und um den 27. Januar in verschiedenen Ländern an zahlreichen Gedenkaktivitäten teilgenommen: Bereits am 25. Januar fanden Gedenkgottesdienste zusammen mit der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee sowie in der Jerusalemer Erlöserkirche statt. Am 27. Januar richtete ASF zusammen mit der Evangelischen Akademie zu Berlin und dem Institut Kirche und Judentum eine Andacht in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin aus. Freiwillige nehmen außerdem auch an der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages teil oder an den vielen größeren und kleineren Zeremonien an Gedenkstätten oder in Museen teil, etwa in der Gedenkstätte Auschwitz/Oświęcim oder in Dachau und Neuengamme. Außerdem unternahmen ASF-Regionalgruppen bundesweit Rundgänge zu Stolpersteinen, putzten die Gedenkzeichen und erinnerten an die Biographien der Menschen, die hier vor ihrer Deportation oder Flucht wohnten. Auch in Oslo reinigten Freiwillige Stolpersteine und legten Blumen nieder.