Vielfältiges Erinnern mit Blick auf die Gegenwart

An zahlreichen Orten haben sich Freiwillige und Ehrenamtliche mit Aktion Sühnezeichen am 27. Januar für eine lebendige Erinnerungskultur eingesetzt, die die Verfolgten und ihre Nachkommen hört und zugleich kritisch auf die eigene Gegenwart schaut: von Gottesdiensten in der Jerusalemer Erlöserkirche, der Weißenseer Friedenskirche und der Französischen Kirche in Berlin über Gedenkstunden in Oświęcim und dem Deutschen Bundestag bis zur Pflege von Stolpersteinen in Norwegen.

Blick auf Brandenburger Tor bei Dunkelheit mit dem Lichtschriftzug #WeRemember
Bild: ASF/G. Abramski

Freiwillige gestalten Erinnerung: durch Begegnung und Engagement

Andacht am Abend des 27. Januar in Berlin. Bild: ASF/G. Abramski
Bild: ASF/G. Abramski
Den Gottesdienst gestaltete die Arbeitsgruppe Theologie von ASF. Bild: ASF/G. Abramski
Die Teilnehmenden der Jugendbegegnung 2026 besuchten unter anderem die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.
Ausstellungseröffnung "An eine Zukunft glauben. Jüdische Biografien in der parlamentarischen Gründergeneration nach 1945" im Paul-Löbe-Haus des Bundestags. (Ehemalige) ASF-Freiwillige nahmen im Rahmen der Jugendbegegnung des Bundestags daran teil.
Die Teilnehmenden der Jugendbegegung 2026 gemeinsam mit der Gedenkrednerin Tova Friedman vor dem deutschen Bundestag. Bild: (c) DBT/Thomas Trutschel
Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2026
Gedenkveranstaltung zum internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2026 auf dem Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen.
ASF Freiwillige reinigen Stolpersteine zum internationalen Holocaust-Gedenktag in Oslo, Norwegen
Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen in Oslo, Norwegen

Freiwillige an Gedenkstätten wie Auschwitz, Izieu, Terezin, Dachau oder Falstad setzen sich an den historischen Orten der NS-Verfolgung nicht nur an den Gedenktagen mit der Gewaltgeschichte und ihren Folgen für die Opfer und deren Nachkommen auseinander. Tagtäglich erfahren sie in ihrem zwölfmonatigen Freiwilligendienst diese Geschichte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Zeitzeug*innen und ihre Familien, Historiker*innen, mit denen sie zusammenarbeiten, Besucher*innen aus unterschiedlichen Ländern und ganz verschiedenen Bezügen zur NS-Zeit. Andere Freiwillige erleben in der sozialen Arbeit, z.B. der Begleitung von NS-Überlebenden, aber auch Menschen mit Behinderung, Suchtkranken oder Geflüchteten die alten neuen Formen von Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung, aber auch den Wert von Solidarität und praktischem Engagement in der Zivilgesellschaft.

Für sie alle steckt dieses Jahr im Ausland voller Begegnungen und Erfahrungen, die lebendige, weil gelebte Erinnerungskultur ausmachen. Auch, aber nicht nur an Gedenktagen wie dem 9. November oder wie aktuell dem 27. Januar, erinnern sie aktiv an die Verfolgten, hinterfragen aber auch die Rolle der Täter*innen, wer im Nationalsozialismus von diesen Verbrechen profitierte und welche Verantwortung sich daraus heute stellt.

Sie begleiten noch immer Überlebende und Zeitzeug*innen dieser Verfolgung, die als Kinder die Shoah oder den Vernichtungskrieg im östlichen Europa überlebten oder sie erfahren von den Nachkommen der zweiten Generation, wie tief und lang die Folgen dieser Verbrechen in den Familien fortwirken. Zugleich sind sie an ihren Freiwilligenstellen auch Teil lebendiger Gemeinden, ob in einem jüdischen Pflegeheim in Oslo oder Boston, ob in einem tschechischen Museum für Romakultur oder einem Kulturzentrum für Geflüchtete in Rotterdam. Sie erfahren hier den Alltag dieser Menschen, der aus vielem besteht, leider auch immer noch Antisemitismus, Antiziganismus und Rassismus.

Freiwillige haben am und um den 27. Januar in verschiedenen Ländern an zahlreichen Gedenkaktivitäten teilgenommen: Bereits am 25. Januar fanden Gedenkgottesdienste zusammen mit der Stephanus-Stiftung in Berlin-Weißensee sowie in der Jerusalemer Erlöserkirche statt. Am 27. Januar richtete ASF zusammen mit der Evangelischen Akademie zu Berlin und dem Institut Kirche und Judentum eine Andacht in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin aus. Freiwillige nehmen außerdem auch an der Jugendbegegnung des Deutschen Bundestages teil oder an den vielen größeren und kleineren Zeremonien an Gedenkstätten oder in Museen teil, etwa in der Gedenkstätte Auschwitz/Oświęcim oder in Dachau und Neuengamme. Außerdem unternahmen ASF-Regionalgruppen bundesweit Rundgänge zu Stolpersteinen, putzten die Gedenkzeichen und erinnerten an die Biographien der Menschen, die hier vor ihrer Deportation oder Flucht wohnten. Auch in Oslo reinigten Freiwillige Stolpersteine und legten Blumen nieder.