Ein Raum für alle?!

Zeitschrift: zeichen 2/2026

Zwischen gelebter Inklusion und neuer alter Ausgrenzung

In diesem zeichen richten wir unseren Blick auf Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen, die im NS verfolgt, verfemt und ermordet wurden und die auch heute noch besonders von Benachteiligungen, Ausgrenzungen und Gewalt betroffen sind. Überall dort, wo Rechtsextreme an Regierungen beteiligt werden, wird Inklusion immer weiter eingeschränkt. Ob eine Gesellschaft zusammenhält, ob alle mitsprechen können und gehört werden, zeigt sich in Krisen besonders an der Situation verletzlicher Menschen. Unsere Gesellschaft wird diese Krisen nur dann demokratisch bewältigen, wenn Lösungen nicht gegen, sondern mit vulnerablen Gruppen gefunden werden, wie Verena Bentele im zeichen-Interview betont. Mit den Worten der Freiwilligen Finia Dührkoop fragen wir deshalb in diesem Heft: »Ein Raum für alle?!!«

 

asf zeichen Cover: Mann mit Hut zeigt auf lächelnde Frau auf blau-gelber Parkbank, grüner Park im Hintergrund
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Wir richten unseren Blick auf zwei ASF-Partnerländer, deren Menschen die Folgen des Krieges direkt spüren: die Ukraine und Israel. Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderung sind besonders gefährdet und isoliert. Der Krieg macht Behinderungen und Traumatisierungen auch sichtbarer. Eine ukrainische Soziologin und unsere israelische Partnerorganisation Kivunim berichten von dieser ambivalenten Wechselwirkung. Ergänzend dazu berichten wir über eine weitere Hilfslieferung des BerlinOdessaExpress, der die schwächsten Gruppen im Krieg gezielt unterstützt.

Wo immer Menschen verdrängt und unsichtbar gemacht werden, regt sich auch Widerstand. Konrad Weiß legt dar, wie der ASF-Gründer Lothar Kreyssig sich den Krankenmorden widersetzte, in die er als Vormundschaftsrichter hineingezogen werden sollte. ASF-Vorstandsmitglied Marie Hecke stellt die Disability Studies in der Theologie vor, die aufzeigen, dass Behinderung eine andere, eine bereichernde Perspektive auf die Welt und das Leben darstellt«.

Widerstand kommt vor allem von den Betroffenen selbst. In den letzten Jahrzehnten entwickelten sich beachtliche Formen gleichberechtigten Zusammenlebens, Lernens und Arbeitens, wie Dagmar Herzog beschreibt. Die »eugenischen Kontinuitäten« des Abwertens und Ausgrenzens reichen zwar bis heute, doch die gelebte Inklusion in Pionierprojekten wirkte dagegen schon früh wie ein lebendiger Stachel.

Die ASF-Freiwillige Juliane Herfarth beschreibt, dass Inklusion in einer Lebensgemeinschaft in Brüssel erst im wechselseitigen Miteinander entsteht: Alle Freiwilligen beginnen neu und müssen die Sprache sowie den Alltag in einem fremden Land und in der Gemeinschaft erlernen. Und genau dort, wo Menschen ganz unterschiedlich kommunizieren, fällt dieser Prozess leichter. Umgekehrt bringen die Freiwilligen stets eine neue Persönlichkeit und Perspektive in die Gemeinschaft ein. Finia Dührkoop engagierte sich ihrerseits im norwegischen Andebu. Während sie mit ihrer Hörbehinderung ihr Leben lang Diskriminierung erfahren hat, erlebte sie in Norwegen, dass Inklusion gesamtgesellschaftlich weitaus selbstverständlicher ist.

PS: Aktuell können sich wieder Interessierte für einen Freiwilligendienst bewerben. Gerade über Bewerbungen für Freiwilligenstellen, auf denen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen leben und arbeiten möchten wir mit diesem Heft hinweisen. Alle Informationen zum Freiwilligendienst und zur Bewerbung hier: www.asf-ev.de/freiwilligendienst