Eugenisches Denken: Wann wird Lebenswert aberkannt?

Digitaler ASF-Salon

Ein Gespräch mit der Historikerin Dagmar Herzog über die nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde und eugenische Kontinuitäten bis heute

Der Prozess, eugenisches Denken zu verlernen, ist bis heute nicht abgeschlossen. Die Vorstellung, das Leben von Menschen mit Behinderungen sei weniger „nützlich“ und damit weniger wertvoll, ist tief in der deutschen Geschichte verwurzelt. Im Nationalsozialismus wurden im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Morde rund 300.000 Menschen in Europa ermordet – ein Verbrechen, das eng mit dem Holocaust verbunden ist.

Auch in der Nachkriegszeit blieb die Anerkennung des Menschseins von Menschen mit Behinderungen unvollständig. Sie sind keine vergessenen, sondern aktiv verleugnete Opfer, so Dagmar Herzog. In ihrem Buch „Eugenische Phantasmen“ (Suhrkamp, Berlin 2024) zeichnet die Historikerin über hundert Jahre eugenischen Denkens nach. Sie untersucht, wie über den Wert des Lebens von Menschen mit Behinderungen debattiert wurde – und wer sich für Gleichwertigkeit und Menschenwürde einsetzte.

Im Gespräch geht es um Behinderung aus einer intersektionalen Perspektive und um die Rolle und den Umgang der Kirchen und Theologie damit. Das Nachdenken über eugenisches Denken reicht weit über die historische Dimension hinaus: Es fordert ein neues Verständnis von Gleichberechtigung, Verletzlichkeit und gegenseitiger Abhängigkeit mit Blick auf die gesamte Gesellschaft.

  • Prof. Dagmar Herzog, Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York
  • Dr. Marie Hecke, Pfarrerin am Institut Kirche und Judentum sowie Mitglied im Vorstand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (Moderation)

Das digitale Fachgespräch wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert.

Blaues Logo mit EU-Sternenkreis und Text Kofinanziert von der Europäischen Union rechts daneben.

Dieses Vorhaben wurde mit einer Ko-Finanzierung durch das Erasmus+ Programm der Europäischen Union realisiert.

Kofinanziert von der Europäischen Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autor*innen und spiegeln nicht zwingend die der Europäischen Union oder der Europäischen Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) wider. Weder die Europäische Union noch die EACEA können dafür verantwortlich gemacht werden.

Jetzt anmelden

    Gender

    Ich interessiere mich für weitere ASF-Angebote oder Publikationen