Share-the-Light-Preis für ASF in Brüssel verliehen

Was für eine schöne Überraschung und Würdigung kurz vor dem Jahresende!. Am 11. Dezember 2025 wurde Aktion Sühnezeichen Friedensdienste vom European Jewish Community Centre (EJCC) mit dem Share-the-Light-Preis ausgezeichnet. Der Preis wurde vom EJCC in Kooperation mit der Europäischen Kommission im Berlaymont-Gebäude in Brüssel verliehen. Ausgezeichnet wurde das Engagement von ASF insgesamt, mit besonderem Fokus auf die langjährige Arbeit für jüdisches Leben, Erinnerungsarbeit und demokratische Werte in Europa.

Das EJCC setzt sich in Brüssel für das Verständnis für die jüdische Kultur und ihre tausendjährige Geschichte in Europa ein und möchte jüdisches Leben auf dem ganzen Kontinent stärken und vernetzen – als Teil der europäischen Geschichte und Gegenwart. Mit Veranstaltungen, Bildung und Begegnung trägt das EJCC zum europäischen Leben in Brüssel bei. Der Share the ligth-Preis zeichnet Engagement in diesem Sinne aus.Es war ein schöner Abend voller Wärme, Zuversicht und Geselligkeit, den auch die Freiwilligen sehr genossen haben. In seiner Dankesrede machte Martin Krzizok, Landesbeauftragter von ASF für Belgien und dem Vereinigten Königreich, deutlich, warum die Arbeit von ASF gerade jetzt notwendig ist. „Wir leben in einer Zeit tiefgreifender politischer Veränderungen: antidemokratische Bedrohungen, illiberale Kräfte, zunehmender Antisemitismus und Einschränkungen jüdischen Lebens weltweit“, sagte er. Dass diese Entwicklungen immer häufiger als normal wahrgenommen würden, dürfe nicht hingenommen werden. „Angst vor dem, was kommt, ist allzu normal geworden, aber das sollte sie nicht sein.“

Seit 1958 arbeitet ASF daran, Verantwortung aus der Geschichte zu übernehmen und demokratische Werte durch aktives zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken. Für Krzizok ist dabei entscheidend, Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern konkret zu leben. „Unsere Projekte sind ein Beispiel dafür, wie Demokratie in der Praxis funktioniert“, sagte er. Dieser Anspruch gelte nicht nur auf regionaler oder nationaler Ebene, sondern ausdrücklich auch europäisch und international.

Im Zentrum der Rede standen die Freiwilligen von ASF. In Belgien arbeiten sie unter anderem in der Erinnerungs- und Archivarbeit sowie in sozialen Projekten. Sie treten in Dialog, fördern Verständigung und übernehmen Verantwortung. „In meinen Augen sind sie wahren Vertreterinnen Kriegerinnen und Vertreter der Demokratie“, sagte Krzizok. Sie lebten europäische Identität und kulturellen Austausch im Alltag. „Dieser Preis ist für euch.“

Zugleich betonte er die Bedeutung von Erinnerungsarbeit für die Gegenwart. „Um unsere Demokratien zu schützen und unsere Freiheiten wertzuschätzen, ist es essenziell, sich zu erinnern“, sagte Krzizok. Der Blick in die Vergangenheit helfe, die Gegenwart zu verstehen und Zukunft zu gestalten. Vor dem Hintergrund schwieriger werdender Förderbedingungen richtete er außerdem einen Appell an europäische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, zivilgesellschaftliche Organisationen und freiwilliges Engagement ernst zu nehmen und zu unterstützen.

Wie sich dieses Engagement konkret im Alltag zeigt, machte die Rede von Hailey Manz deutlich, die seit September 2025 ihren ASF-Freiwilligendienst im European Jewish Community Centre in Brüssel leistet und an der Organisation der Preisverleihung beteiligt war. „Als ich mich bei ASF beworben habe, wusste ich, dass ich etwas Sinnvolles machen möchte, etwas, das Geschichte und Politik verbindet“, sagte sie. Ihre Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte habe sie schon früh geprägt, unter anderem durch Erinnerungsorte in ihrer Heimatstadt und einen Besuch in Auschwitz.

Am EJCC habe sie einen Ort gefunden, der jüdisches Leben nicht nur bewahrt, sondern aktiv gestaltet. „Als ich vom EJCC erfuhr, einem Ort, der jüdisches Leben nicht nur erhält, sondern mitformt, wusste ich, dass ich hier lernen und beitragen möchte“, sagte Hailey. In Brüssel habe sie eine offene und lebendige Gemeinschaft erlebt. „Zum ersten Mal habe ich Jom Kippur, Rosch Haschana und Sukkot in einer aktiven Gemeinde erlebt und gesehen, wie viel Leben, Freude und Tiefe diese Traditionen tragen.“

Ein zentraler Punkt ihrer Rede war die Erfahrung, dass jüdisches Leben in Europa nicht auf die Vergangenheit reduziert werden darf. „In Deutschland beginnen Gespräche über Jüdinnen und Juden oft und enden leider auch mit dem Zweiten Weltkrieg“, sagte sie. „Aber jüdisches Leben ist so viel mehr: eine lebendige Religion, eine Kultur, eine Gemeinschaft mit eigenen Freuden, Traditionen und Herausforderungen.“

Diese Vielfalt erlebt Hailey in ihrer täglichen Arbeit im EJCC. Sie ist an Bildungs- und Begegnungsprojekten beteiligt, darunter Kinder- und Jugendprogramme, Angebote für junge Erwachsene, interreligiöse Initiativen und Schulworkshops. „Ich sehe jüdisches Leben hier jeden Tag, in den Kinderprogrammen, bei den Young Professionals-Veranstaltungen und in Projekten, die Menschen unterschiedlicher Religionen zusammenbringen“, sagte sie. Teil dieser Arbeit ist auch das Projekt Yachad, das sie regelmäßig begleitet.

Der Share-the-Light Preis sei für sie mehr als eine Auszeichnung. „Er ist eine Erinnerung an das Privileg, lernen zu dürfen, zuzuhören und zu etwas Wichtigem beitragen zu können“, sagte Hailey.

Für ASF war die Preisverleihung in Brüssel zugleich eine Gelegenheit für Austausch und neue Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft. Viele Gäste lernten ASF an diesem Abend erstmals kennen. Der Share the Light-Preis steht stellvertretend für die Arbeit der Freiwilligen und für den gemeinsamen Anspruch von ASF, Verantwortung zu übernehmen, jüdisches Leben zu unterstützen und demokratische Werte aktiv zu leben.

Eindrücke von der Preisverleihung