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Lothar Kreyssig: couragiert und aufrichtig für Versöhnung und Frieden

Am am 5. Juli 2026 jährt sich der Todestag von Lothar Kreyssig zum 40. Mal. Er gründete vor nun schon fast 70 Jahren die Aktion Sühnezeichen. Als Präses setzte er sich unermüdlich für ein aufrichtiges Erinnern und selbstkritisches Bemühen um Begegnung und Versöhnung mit den Verfolgten der Nazis ein. Als Richter widersetzte er sich selbst den Morden an Kindern mit Behinderung, für die er Verantwortung trug und versteckte eine jüdischen Frau auf seinem Gut.

Älterer Mann mit Barett schaufelt auf Weg; im Hintergrund Jugendliche mit Werkzeug, s/w, Görlitz‑Rauschwalde 1967
Lothar Kreyssig hilft bei einem Sommerlager in Görlitz-Rauschwalde 1967. Bild: Helmut Wilhelm

Das Kuratorium des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises erinnerte im Vorfeld des Jahrestages an Kreyssig als einen Christen, Juristen und Friedensstifter, dessen Lebenszeugnis bis heute Orientierung gibt. Sein Name steht für Mut zum Widerspruch gegen Unrecht, für die Verteidigung der Menschenwürde und für die Überzeugung, dass Versöhnung stärker sein kann als Hass und Gewalt.

Lothar Kreyssig gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten der evangelischen Kirche im 20. Jahrhundert. Als Vormundschaftsrichter widersetzte er sich dem nationalsozialistischen Staat und protestierte während der sogenannten „Euthanasie-Programme“ gegen die Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Das Mitglied der Leitung des Bruderrates der Bekennenden Kirche stellte das Recht über die Macht und sein Gewissen über die Erwartungen eines Unrechtsregimes. Sein Handeln zeugt von einer tiefen christlichen Überzeugung, die den einzelnen Menschen als Geschöpf Gottes achtet und schützt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kreyssig zu einem Wegbereiter der Versöhnung. Mit seiner Initiative zur Gründung von Aktion Sühnezeichen 1958 setzte er ein Zeichen, das weit über Deutschland hinaus Wirkung entfalten sollte. Aus der Erkenntnis deutscher Schuld erwuchs die Bereitschaft zu Verantwortung, Begegnung und Versöhnung. Tausende junge Menschen haben seither in diesem Geist Brücken zwischen Nationen, Religionen und Generationen gebaut. Aus Aktion Sühnezeichen entwickelte sich die heutige Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, deren bedeutende Arbeit das Erbe ihres Gründers fortführt.

Vierzig Jahre nach seinem Tod erlebt Europa erneut einen Krieg, der das Leben von Millionen Menschen erschüttert. Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine und der mutige Verteidigungskampf der Ukrainerinnen und Ukrainer führen täglich vor Augen, wie zerbrechlich Frieden ist, wie groß das Leid durch Gewalt, Vertreibung und Zerstörung bleibt und wie dringend die Suche nach Wegen zu verlässlicher Nachbarschaft ist. Zugleich wächst in vielen Gesellschaften die Gefahr neuer Feindbilder, nationalistischer Abschottung und einer Sprache, die Menschen gegeneinander aufbringt.

Prof. Martin Kreyssig, der Enkel Lothar Kreyssigs, erinnert angesichts dieser Entwicklungen an dessen Vermächtnis: „Christliche Friedensverantwortung bedeutet weder Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht noch den Verzicht auf Solidarität mit den Angegriffenen. Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Er gründet auf Gerechtigkeit, der Achtung der Menschenwürde und dem Schutz der Schwachen. Wo Menschen unterdrückt, verfolgt oder ihrer Freiheit beraubt werden, sind alle Menschen aufgerufen, ihre Stimme zu erheben.“

Kreyssigs Leben zeigt zugleich, dass selbst schwerste Konflikte nicht das letzte Wort behalten dürfen. Sein Einsatz für die Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Völkern bleibt eine Mahnung, auch in Zeiten des Krieges die Hoffnung auf Verständigung und einen gerechten Frieden nicht aufzugeben. Versöhnung setzt Wahrheit voraus, Verantwortung und die Bereitschaft, Schuld anzuerkennen. Gerade deshalb ist sie kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck moralischer und geistlicher Stärke.

In diesem Sinne wirkt das Kuratorium Lothar-Kreyssig-Friedenspreis bis in die Gegenwart und wird mit der kommenden Preisverleihung im Herbst 2027 in Magdeburg Personen oder Gruppen für ihr zivilgesellschaftliches Engagement im Sinne Lothar Kreyssigs ehren.

Das Kuratorium Lothar-Kreyssig-Friedenspreis ruft Kirchen und Politik, gesellschaftliche Gruppen und alle Menschen guten Willens dazu auf, sich für Menschenwürde, Gewaltfreiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung einzusetzen. Der Kuratoriumsvorsitzende, Superintendent Stephan Hoenen, nimmt die Lebensleistung Lothar Kreyssigs für die Gegenwart in den Blick: „In einer Zeit weltweiter Krisen bleibt die Botschaft Lothar Kreyssigs aktuell: Frieden beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen und den Mut finden, dem Unrecht entgegenzustehen.“