Europäische Geschichte erfahren, eigene Erfahrungen teilen

Junge Engagierte aus verschiedenen Ländern, die sich als Freiwillige für Erinnerung und Solidarität einbringen, haben sich auf einer internationalen Jugendbegegnung in Polen mit den unterschiedlichen Narrativen und Perspektiven auf die Shoah und Nachkriegszeit bis heute auseinandergesetzt. In einem biographischen Workshop verbanden sie dann diese Vergangenheit mit ihrer eigenen Familiengeschichte und persönlichen Gegenwart.

Freiwillige bei einer Gedenkstättenfahrt in der Gedenkstätte Auschwitz mit Kopfhörern bei einer Führung.
Freiwillige bei einer Gedenkstättenfahrt in der Gedenkstätte Auschwitz, 2025. Bild: Linus Nappert

Im polnischen Oświęcim und Krakau beschäftigen sie sich an Gedenkorten, in Museen und mit zivilgesellschaftlichen Organisationen mit der Geschichte und Gegenwart in Polen. Im Fokus stand dabei die Geschichte des NS-Völkermordes an Jüdinnen*Juden und Sinti* und Roma* sowie die NS-Verbrechen während der Besatzung Polens. Darüber hinaus lernten sie jedoch auch mehr über die jüdisch-polnische Geschichte vor und nach der Shoah sowie über die Roma-Kultur und die heutige Situation der Minderheit, die noch immer unter antiziganistischer Diskriminierung leidet.

Bei einem historischen Stadtrundgang lernten die Teilnehmenden die wechselvolle wie vielfältige Geschichte der Kleinstadt Oświęcim kennen. Dieser Ort wird überschattet vom deutschen Vernichtungslager Auschwitz und den beispiellosen Verbrechen, die dort verübt wurden. Zugleich lebten in dieser Stadt lange vor der Schoah Roma* und jüdische Menschen, deren Lebenswege zahlreiche transeuropäische Bezüge aufweisen. Heute ist das Städtchen ein lebendiger Ort, an dem zahlreiche Menschen zusammen kommen, um aus der gemeinsamen europäischen Geschichte zu lernen.

An einem weiteren Seminartag besuchte die Gruppe die KZ Auschwitz und Auschwitz-Birkenau und setzte sich bei Führungen und Ausstellungsbesuchen mit der Verfolgungsgeschichte an diesen Orten auseinander. In vor- und nachbereitenden Gesprächsrunden besprach die Gruppe ihre Erfahrung. In einer kleinen selbst gestalteten Zeremonie gedachte die Gruppe abschließend der Verfolgten der Nazis.

In einem biographischen Workshop arbeitete die Gruppe mit kreativen Methoden zu den Lebenswegen der NS-Verfolgten Else Baker, Reinhard Florian, Hugo Höllenreiner und Zilli Schmidt . Diese Methode verband individuelle Erfahrungen und Perspektiven mit der Erschließung der größeren historischen Kontexte der europäischen Zeitgeschichte und zugleich mit einer kritischen Diskussion, inwiefern reflektierten, solche marginalisierte Perspektiven auch den heutigen Umgang mit Minderheiten und antiziganistische Vorurteile und Diskriminierung prägen.

Die Gruppe war in der Internationalen Jugendbildungsstätte Oświęcim (IJBS/MDSM) untergebracht, mit der auch das thematische Programm gestaltet wurde. Anschließend wechselte die Gruppe ins nahe gelegene Krakau, wo sie das Jüdische Museum Galizien besuchte und an einer historischen Stadtführung durch die Metropole teilnahm.

Eindrücke vom Seminar

Führung über das Gelände der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Bild: ASF
Die Freiwilligen besuchten verschiedene Gedenkorte, aber auch Museen und unternahmen historische Stadtführungen.
Die Gruppe war in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim untergebracht. Bild: Linus Nappert