Europäische Geschichte, demokratisches Engagement und viele neue Freundschaften
Die wichtigsten Bestandteile des Programms waren die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus sowohl mit Blick auf die Bezüge zur heutigen deutschen Gesellschaft wie den Ländern, in denen sie künftig leben und sich engagieren werden, den Schwerpunkten der Arbeit von ASF und die Vorbereitung auf die Freiwilligendienst. Neben dem inhaltlichen Lernen bot das Seminar viel Raum für Vernetzung und gemeinsame Reflexion. Die Arbeit in kleineren Lerngruppen ermöglichte es den Teilnehmenden, persönliche Fragen zu diskutieren, Erwartungen auf den Freiwilligendienst zu klären und sich auf ihre Rolle als Freiwillige vorzubereiten. „Das siebentägige Seminar in der Jugendbildungsstätte Hirschluch war für mich eine unglaublich intensive und bewegende Zeit. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie es sich anfühlte, plötzlich mit vielen anderen jungem Menschen aus ganz Deutschland an einem Ort zu sein – alle mit ähnlichen Interessen, allen gemeinsam der Entschluss, ein Jahr ihres Lebens in einen Freiwilligendienst zu investieren.“ berichtet eine Teilnehmerin.
Ein wesentliches Element waren Besuche von Gedenkorten und Museen in Berlin. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Frage, wie Erinnerung im öffentlichen Raum gestaltet wird und welche Lücken, Perspektiven und Debatten es in der deutschen und europäischen Erinnerungskultur gibt. Parallel dazu beschäftigten sich die Teilnehmenden intensiv mit mit Formen von Antisemitismus, Antiziganismus und LGBTIQ*-Feindlichkeit– sowohl historisch als auch mit Blick auf gegenwärtige gesellschaftliche Herausforderungen. Thematische Arbeitsbausteine boten Raum, um verschiedene historische und aktuelle politische Narrativen in aktuellen Diskursen zu erkennen, queere Geschichte(n) kennenzulernen und feministische Bewegungen zu analysieren. „Jeden Tag kamen neue Eindrücke und Programmpunkte hinzu. Wir diskutierten in Workshops, setzten uns mit der Geschichte von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste auseinander und schauten Filme über die Traumata und die Schuld des Nationalsozialismus. Diese Mischung aus Austausch, Lernen und gemeinsamen Erlebnissen hat mich tief beeindruckt.“, schildert seine Eindrücke ein anderer Teilnehmer.
Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars war die Vorbereitung auf die Arbeit in den Einsatzstellen. Die Freiwilligen bekamen Einblicke in die Arbeit an Gedenkorten, den Umgang mit unterschiedlichen NS-Opfergruppen, mit Menschen, die von Demenz oder Traumata betroffen sind, sowie in die Unterstützung sozial benachteiligter Personen. Ergänzt wurde das durch Methoden der interkulturellen Arbeit und den Austausch mit der Geschäftsführung von ASF – all das gab Orientierung für das bevorstehende Jahr. Ein Gottesdienstbesuch, Abendveranstaltungen und ein gemeinsamer Abschiedsabend, rundeten die Woche ab. „Der letzte Abend in Hirschluch war etwas ganz Besonderes: Jede Ländergruppe steuerte einen eigenen Programmpunkt bei, und es fühlte sich an wie ein kleiner Abschied auf Zeit. Am nächsten Morgen hieß es dann wirklich voneinander Abschied nehmen – der große Tag der Ausreise war gekommen. Mit viel Gepäck, zahlreichen Eindrücken und noch mehr Aufregung stiegen wir in den Zug, und unsere Reise in das Freiwilligenjahr begann.“, erinnert sich ein weiterer Teilnehmer.
Das Bildungsseminar stärkte die historische, politische und soziale Kompetenz der Freiwilligen und vermittelte ihnen zentrale Werkzeuge für ein verantwortungsbewusstes Engagement im kommenden Jahr. Durch die Verbindung von historischer Bildung, kritischer Gegenwartsanalyse und Austausch zu praktischen Fragen leistete es einen wichtigen Beitrag zur europäischen Erinnerungskultur und zur Förderung demokratischer Werte.
