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USA-Reise: „Solidarität und Hoffnung trotz Repression, das ist unsere Stärke“
Vom 14. bis 20. April sind Jutta Weduwen, Geschäftsführerin von ASF und Estefania Casajus, Referentin für Freiwilligenarbeit in die USA gereist. Der Anlass war eine Veranstaltung am 16. April anlässlich des Yom HaShoa im deutschen Generalkonsulat in New York City. Anlässlich des Gedenktages ging es um die Aktualität und die Konflikte, wenn heute öffentlich erinnert wird. Monika Moyrer, Landesbeauftragte in den USA hatte die Veranstaltung maßgeblich organisiert und ein hochkarätiges Podium bestehend aus Rabbi Sara Paasche-Orlow (Vorsitzende des Freundeskreises ARSP), Jutta Weduwen, Thorsten Wagner (FASPE) und Christopher Worthley (Allianz Foundation for Northern America) eingeladen. In der Diskussion ging es darum, warum gesellschaftspolitisch eine bewusste Erinnerungskultur gerade heute so wichtig wie sensibel ist und welche pädagogischen Ansätze es braucht, um in immer diverseren Gesellschaften junge Menschen zu erreichen. Gerade auch für ein Verständnis der wechselvollen Beziehungen im transatlantischen Kontext ist historisches Wissen und ein Verständnis für die Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede entscheidend.
Der Generalkonsul Till Knorn begrüßte dazu rund 50 Gäste in seiner Residenz. Zahlreiche Vertreter*innen von Freiwilligenstellen, Unterstützer*innen von ASF in den USA sowie aktuelle und sogar ehemalige Freiwillige sind an dem Abend zusammengekommen. Es wurden neue Kontakte geknüpft und es hat einige unerwartete und schöne Wiedersehen gegeben.
In New York besuchte die Reisegruppe zudem die ASF-Freiwilligenstellen, die sich für Shoa-Überlebende engagieren. Während Project Ezra, eine kleine Organisation in der Lower Eastside ist, die seit 1972 existiert und etwa 1.600 Klient*innen erreicht, ist Selfhelp Communities eine deutlich größere Organisation, die von deutschen Jüdinnen*Juden gegründet wurde, die vor 1933 in die USA fliehen konnten. Beide Initiativen arbeiten mit Shoa-Überlebenden zusammen und unterstützen sie durch soziale Angebote wie Gesprächsrunden, sportliche Aktivitäten und Ausflüge. Ein Schwerpunkt bei beiden Organisationen ist außerdem die pflegerische und medizinische Versorgung im Alltag. Beim Besuch im Project Ezra konnten wir nach einer Gruppenaktivität, die unsere Freiwillige Mila durchgeführt hat, mit den Teilnehmer*innen sprechen: Sie die betonten, wie wichtig ihnen hier die Möglichkeit ist, andere Menschen zu treffen und wie sehr sie es schätzen, dass junge Freiwillige sie begleiten und soziale Angebote gestalten.
Der nächste Stopp war Philadelphia, wo wir zunächst bei HIAS (Hebrew Immigration Aid Society) herzlich willkommen geheißen worden sind. HIAS wurde 1880 gegründet mit dem Ziel, europäische Jüdinnen*Juden bei der Flucht in die USA (oftmals vor den Pogromen und der Armut im östlichen Europa) und vor Ort bei der sozialen Integration zu unterstützen. Heute arbeitet HIAS vor allem in der Rechtshilfe und sozialen Unterstützung für Migrant*innen und Menschen auf der Flucht, die aus den USA abgeschoben werden sollen – angesichts der hochumstrittenen Razzien und Abschiebungen von Migrant*innen ein politisch sehr aufgeladenes Engagement, das aber vor Ort von vielen Initiativen fortgeführt wird.
Am sonnigen Nachmittag wurden wir mit leckerem Wassereis bei Family Promise empfangen. Die Organisation unterstützt seit fast 30 Jahren Familien, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind bei der Suche nach neuem Wohnraum und bietet eine temporäre Notunterkunft für Familien an. Sie sammeln zudem Kleider- und Möbelspenden, die an bedürftige Familien verteilt werden. Wir wurden bei beiden Organisationen mit großer Herzlichkeit empfangen und sind beeindruckt von ihrem persönlichen Engagement für sozial benachteiligte Menschen.
In unserer dritten Station in Washington DC konnten wir die gesamte Gruppe der USA-Freiwilligen bei ihrem Zwischenseminar treffen. Es war beeindruckend die Vertrautheit der Gruppe zu erleben und zu sehen, wie wertschätzend sie über ihre Freiwilligenarbeit vor Ort und ihre Kolleg*innen und Klient*innen sprechen. Im Rahmen des Seminars haben wir den Gottesdienst der deutschen Gemeinde besucht und mehrere Freiwillige nahmen am Verlesen der Losung und der Fürbitten teil. Im Anschluss wurden wir von Pfarrerin Juni Hoppe, die sich zuvor in Berlin bereits theologisch bei ASF einbrachte, zum Community Lunch eingeladen und konnten einige Gemeindemitglieder kennenlernen. Im Anschluss haben Nathaniel und Alyson, zwei Unterstützer*innen von ARSP, sowie Victor, Freiwilliger in DC, thematische Stadtrundgänge angeboten. In einem der Stadtrundgänge haben wir viele interessante Fakten über die jüdische Geschichte der Stadt erfahren – unter anderem dass die Synagoge zweimal innerhalb der Stadt bis auf die Fundamente abgetragen worden, um sie innerhalb der Stadt zu versetzen, bis sie nun ihren finalen Ort als Herberge des Jüdischen Museums von Washington DC gefunden hat. Am dritten Seminartag konnten wir die Freiwilligenstelle im United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) besuchen und die beeindruckende Archivarbeit kennenlernen sowie einen Einblick in die Dauerausstellung und museumspädagogische Überlegungen dazu bekommen.
Während es für die Freiwilligen dann noch ein paar Tage weiterging im Seminar, sind wir mit vielen positiven Eindrücken und inspirierenden Gesprächen im Gepäck zurückgereist. Es war beeindruckend, wie viel Hoffnung, aber auch wie viel Energie und Mut in der Arbeit unserer Freiwilligenstellen, unseres Freundeskreises in den USA und unseren Freiwilligen steckt.