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ASF pflanzt gemeinsamen Baum bei Kivunim in Haifa

Im Rahmen unserer ASF-Studienreise besuchten wir Kivunim in Haifa, eine israelische Organisation, die junge Erwachsene mit Behinderungen auf dem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet. Kivunim verbindet betreute Wohnformen, Bildungsprogramme und psychosoziale Begleitung zu einem strukturierten Übergang vom Elternhaus in ein eigenständiges Leben. Seit 22 Jahren arbeitet die Organisation daran, gesellschaftliche Teilhabe nicht nur zu fordern, sondern konkret umzusetzen.

ASF pflanzt gemeinsamen Baum bei Kivunim in Haifa

Mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste verbindet Kivunim eine über viele Jahre gewachsene Partnerschaft. In ihrem Begrüßungsvortrag beschrieb die Geschäftsführerin Rotem Eshed-Lavi, wie eng die ASF-Freiwilligen vor dem 7. Oktober in den Alltag der Teilnehmer/innen ihrer Programme eingebunden waren. Sie begleiteten junge Israelis mit Behinderungen beim Einkaufen, kochten gemeinsam mit ihnen, unterstützten bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und waren verlässliche Gesprächspartner/innen bei Fragen zu Beziehungen, Zukunftsperspektiven und persönlicher Entwicklung.

Gerade weil die Freiwilligen häufig im ähnlichen Alter waren wie die Teilnehmer/innen, entstand eine besondere Nähe. Aus dem geteilten Alltag entstanden nicht selten Freundschaften, die weit über die Dauer des Freiwilligendienstes hinaus Bestand hatten.

Im weiteren Verlauf stellte Rotem innovative Konzepte vor, mit denen Kivunim auf die besonderen gesellschaftlichen Herausforderungen der vergangenen Kriegsjahre reagiere. Sie erzählte vom Smadar Institute, einem klinischen Zentrum für Psychotherapie, in dem Therapien nicht nur auf Hebräisch und Arabisch, sondern auch in Gebärdensprache angeboten würden – ein im Norden Israels bislang seltenes und dringend benötigtes Angebot.

Ein weiteres wichtiges Projekt richte sich an Teilnehmer/innen mit Behinderungen, die zugleich LGBTQ+ seien und sich in mehrfachen Ausgrenzungserfahrungen bewegten. Kivunim schaffe hierfür geschützte Räume, in denen Identität, Selbstbestimmung und Zugehörigkeit gestärkt würden.

Den emotionalen Höhepunkt unseres Besuchs bildete der Bericht von Nofar. Sie erzählte, wie sie als Jugendliche aufgrund ihrer Behinderung von ihrer Familie im Stich gelassen wurde und häufig auf sich allein gestellt war. In dieser Zeit begegnete sie der deutschen ASF-Freiwilligen Ulli. Auch Ulli war fern ihrer Familie in Deutschland und erlebte die Herausforderungen eines Neuanfangs. Aus dieser gemeinsamen Situation entstand eine enge Verbindung. Nofar schilderte, wie sie gemeinsam einkaufen gingen, wie Ulli sie im Alltag unterstützte und wie sie miteinander über Zukunftspläne schmiedeten.

Ulli blieb ein zweites Jahr in Israel und übernahm bald Verantwortung als Mentorin für andere Freiwillige. Gleichzeitig blieb sie Nofars wichtigste Bezugsperson. Nach Ullis Rückkehr nach Deutschland planten sie beide ein Wiedersehen. Nofar reiste nach Berlin, lernte Ulis Familie kennen, besuchte deren Großmutter im Altersheim und gewann Einblicke in deutsche Alltagskultur. Später trafen sie sich erneut in Europa und unternahmen gemeinsame Reisen.

Mehr als 14 Jahre später stehen sie weiterhin in Kontakt. Für Nofar war Ulli nie nur „eine Freiwillige“, sondern der Mensch, der ihr half, an die eigene Fähigkeit zur Selbstständigkeit zu glauben. Wenn Ulli den Mut gehabt habe, ihr Zuhause zu verlassen und in einem fremden Land Verantwortung zu übernehmen, dann – so Nofar – könne auch sie den Schritt in ein unabhängiges Leben wagen.

Zum Abschluss unseres Besuchs pflanzten Rotem von Kiwunim, Estefania vom ASF-Büro in Berlin und der ASF-Landesbeauftragte in Israel Uriel auf dem Gelände von Kivunim einen Mandelbaum. Er steht als Zeichen einer über viele Jahre gewachsenen Partnerschaft – für tragfähige Wurzeln und für eine Zusammenarbeit, die auch künftig weiterwachsen und gemeinsam blühen soll.

Wir möchten Iris Barabi unseren aufrichtigen Dank für die Organisation dieses besonderen Treffens und für ihr langjähriges Engagement für die Partnerschaft zwischen Kivunim und ASF aussprechen. Wir danken Kivunim herzlich für diese eindrucksvolle Begegnung und hoffen, nach der kriegsbedingten Pause bald wieder Freiwillige nach Kivunim entsenden zu können – und damit an die langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit anzuknüpfen.

Impressionen aus Kivunim

ASF pflanzt gemeinsamen Baum bei Kivunim in Haifa
Geschäftsführerin Rotem Eshed-Lavi über die Arbeit von Kiwunim
Teilnehmende der ASF Studienreise bei Kiwunim in Haifa
ASF Freiwillige bei ihrer Arbeit bei Kivunim in Haifa 2022, Bild: ASF/Ruthe Zuntz
ASF Freiwilliger bei ihrer Arbeit bei Kivunim in Haifa 2022, Bild: ASF/Ruthe Zuntz