60 Jahre Ostdenkschrift der EKD: Wegweisend in der Verständigung

Am 1. Oktober 1965 veröffentlichte der Rat der EKD die „Ostdenkschrift“ mit dem Titel „Zur Lage der Vertriebenen und zum Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn“. Sie veränderte den deutsch-polnischen Dialog maßgeblich, bereitete den Boden für Verständigung und war wegweisend für die christliche Reflexion über Vergebung und Versöhnung. Nur wenige Wochen später folgte die Botschaft der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe vom 18. November 1965 mit den berühmten Worten: „Wir vergeben und bitten um Vergebung“.

Erinnerung in Wrocław an die Botschaft der polnischen Bischöfe, die rund einen Monat nach der EKD-Denkschrift erschien. Bild: Wikimedia Commons/Aw58 [CC BY-SA 4.0]

Aktion Sühnezeichen verfolgte damals aus beiden Teilen Deutschlands heraus die Debatte und setzte sich über konkrete Begegnungen mit polnischen Partner*innen für eine Wiederannäherung und Auseinandersetzung mit der deutschen Schuld im NS-Vernichtungskrieg in Polen ein. Der spätere ASF-Vorsitzende Bischof Kurt Scharf verfasste als EKD-Ratsvorsitzender seinerzeit das Vorwort zur Denkschrift.

Zum 60. Jahrestag der Ostdenkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fand am 4. und 5. Oktober 2025 eine Gedenkveranstaltung in Warschau statt. Im Rahmen einer Konferenz im polnischen Sejm würdigen Gäste aus Politik, Kirchen und Wissenschaft die Denkschrift als Meilenstein der deutsch-polnischen Aussöhnung.

Die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs betont: „Nur 20 Jahre nach dem Ende des Krieges setzte die Denkschrift ein Signal der Versöhnung, das bis heute nachwirkt. Angesichts der Schrecken des Krieges und der unvorstellbaren Gewalttaten, die von Deutschen in Polen verübt wurden, angesichts der anschließenden Schrecken von Flucht und Vertreibung empfinde ich diesen mutigen Schritt bis heute als ein Wunder. Versöhnung ist kein abgeschlossener Akt, sondern ein fortwährender Prozess. Doch das, was in der polnisch-deutschen Aussöhnung bislang erreicht wurde, erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit.“

Prof. Dr. Martin Greschat hat den Vortrag „Schuld und Verzicht – die Ostdenkschrift der EKD 1965“ im Rahmen der Wanderausstellung der Nordkirche »Neue Anfänge nach 1945?« am 14. Oktober 2016 in der Anscharkirche Neumünster gehalten. Mit freundlicher Genehmigung der Nordkirche können wir an dieser Stelle den Vortrag verlinken: „Schuld und Verzicht – die Ostdenkschrift der EKD 1965“

Informationen zur Wanderausstellung: https://www.nordkirche-nach45.de/index.html