- Erinnerungskultur ,
- Krieg und Frieden ,
- Ukraine
Eine Begegnung, die ermutigt – gerade heute!
Das Kriegsende und der 8. Mai und 9. Mai sind für viele Menschen aus postsowjetischen Ländern besonders wichtige, zugleich aber auch schmerzhafte und schwierige Tage des Erinnerns.
Das gilt besonders für Menschen, die sowohl unter nationalsozialistischer als auch unter stalinistischer Gewalt gelitten haben. Teils überlebten sie die stalinistischen Massenerschießungen oder die Aushungerung ganzer Regionen in der Ukraine und anderen Teilen der Sowjetunion in den 1930er-Jahren, nur um dann die Gewalt, Unterdrückung und Ausbeutung unter deutscher NS-Besatzung zu überleben oder sie wurden Opfer der spätstalinistischen Verfolgung nach Kriegsende sowie der bleiernen Jahrzehnte der Unfreiheit vor der Perestroika. Mit dieser Erfahrung von Millionen von Menschen vermischen sich Stolz über den antifaschistischen Widerstand und Erleichterung über die Befreiung von der NS-Gewalt mit einem anderen Leid.
Diese bittere Ambivalenz trifft nochmals stärker jene Menschen, die bis heute unter der Repression Russlands leiden, vor allem die Menschen, die in der Ukraine den Angriffskrieg Russlands mit den täglichen Angriffen auf Wohnviertel, Schulen und Kindergärten überstehen oder die auf der Krim und den besetzten Gebieten in den östlichen Regionen brutale Willkür und Unterdrückung erdulden müssen. In der Ukraine leben noch immer zahlreiche Zeitzeug*innen, die als Kinder den Zweiten Weltkrieg mit Shoah, Zwangsarbeit und Kriegsverbrechen überstanden haben und nun hochbetagt abermals einen Krieg erleben. Schließlich stammen von hier die meisten Überlebenden der NS-Zwangsarbeit, kamen aus der Ukraine nach Fall des Eisernen Vorhangs die meisten der neuen Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland.
So gibt es zahlreiche Verbindungen zwischen Jüdischen Gemeinden, Gedenkstätten und Initiativen für NS-Überlebende in Deutschland und ukrainischen Überlebenden-Verbänden, Museen und Archiven. Nach der Vollinvasion Russlands bildete sich aus diesen Kreisen rasch ein Hilfsnetzwerk, um den NS-Verfolgten und ihren Familien beizustehen. Denn ältere Menschen gehören in diesem Krieg neben Kindern und Kranken zu den vulnerabelsten Gruppen. Sie müssen etwa im zehnten Stock eines Plattenbaus oder alleinstehend in einem Häuschen auf dem Land Luftalarm und Heizungsausfälle bei tiefstem Frost durchstehen. Bei minimalen Renten sind sie auf ihren Garten angewiesen oder wollen Hof und Tiere nicht verlassen. In den frontnahen Gebieten gehören sie oftmals zu den letzten Bewohner*innen die trotz allem ausharren.
Umso wichtiger ist es, diesen Menschen persönlich beizustehen, ihnen zuzuhören. Das leisten in der Ukraine vor allem unzählige Freiwillige, oftmals unter Lebensgefahr und gezielten Drohnenangriffen nahe der Front. Von Deutschland aus unterstützt ASF mit dem Hilfswerk für NS-Verfolgte in der Ukraine und der humanitären Initiative BerlinOdessaExpress NS-Überlebende wie auch Binnengeflüchtete oder ausgebombte Familien in der Ukraine.
Daneben leisten ukrainische Freiwillige weiterhin #mitASF einen Freiwilligendienst in den Programmen in Polen und Deutschland. Darunter auch Andrii aus Odesa, der sich im Sommerlagerteam in der ASF-Geschäftsstelle sowie an der Gedenkstätte Sachsenhausen einbringt, auch ermöglicht durch eine Förderung der Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ).
An den Gedenktagen zur Befreiung des KZ Sachsenhausen und in Erinnerung an die Opfer der Todesmärsche begleitete er den 101-jährigen Überlebenden Mykola Urban aus Charkiw. Sie legten gemeinsam Blumen am Gedenkort für die Todesmärsche im Belower Wald südöstlich von Berlin nieder und nahmen an der Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte teil. Dieser gemeinsame Gang über die Generationen hinweg berührt und ermutigt: zur Mitmenschlichkeit, aufrichtiger Erinnerung und mutigem Einsatz für eine andere Welt. Wir danken euch für diesen wichtigen Moment!
Freiwillige engagieren sich #mitASF in Sachsenhausen und an vielen weiteren Gedenkorten in Deutschland und 10 weiteren Ländern für Erinnerung und Solidarität. Es gibt noch offene Stellen für einen Freiwilligendienst, der September 2026 beginnt. Alle Informationen hier: www.asf-ev.de/freiwilligendienst