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Odesa: Hilfe, die ankommt

Medikamente, Hygienemittel, Energietechnik und Kindergeschenke. Wieder ging ein Hilfstransport vom Berlinodessaexpress mit Unterstützung von ASF und Apotheker ohne Grenzen nach Odesa. Die Güter kommen zwei Krankenhäusern, Familienzentren sowie NS-Überlebenden zu Gute. Derweil greift Russland täglich die Millionenmetropole am Schwarzen Meer an.

 

Bei der Übergabe von Medikamenten an einem Krankenhaus in Odesa.

Der BerlinOdessaExpress ist eine private Hilfsinitiative, die unmittelbar nach Russlands Invasion 2022 gegründet wurde, auch von ehemaligen Freiwilligen und Mitarbeitenden von ASF. Sie sammelt, finanziert und organisiert humanitäre Transporte, insbesondere von Medikamenten, medizinischer Ausrüstung sowie von Energietechnik. ASF unterstützt die Transporte seitdem regelmäßig mit finanziellen Mitteln und bei der Logistik.

Dem viertägigen Transport im Juli gingen wieder mehrere Monate der Planung und Organisation voraus. Mit verschiedenen ukrainischen Partnerorganisation wurde der konkrete Hilfsbedarf abgestimmt. In Zusammenarbeit mit Apotheker ohne Grenzen konnten dann in größerem Umfang Medikamente für zwei Kliniken in Odesa beschafft werden, mit denen seit nun schon mehreren Jahren eine Kooperation besteht: ein psychiatrisches Krankenhaus sowie eine Kinderklinik. Die Lieferung umfasste vor allem Mittel für chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck sowie Beruhigungsmittel und Psychopharmaka.

Mangel an Medikamenten, verbesserte Zusammenarbeit und Therapie

Vor Ort übergab das Fahrerteam, bei dem erstmals auch ein Mitarbeiter von Apotheker ohne Grenzen beteiligt war, die Medikamente und führte längere Gespräche mit mehreren Mediziner*innen. Im fünften Kriegsjahr arbeitet das Gesundheitswesen unter großen Belastungen. Einerseits gibt es mehr und schwerere Fälle, während zugleich Personal, Betten und andere Ressourcen besonders knapp sind. Hinzu kommen die täglichen Angriffe, die immer wieder auch auf Krankenhäuser abzielen und in einem besonders zynischen Kalkül bei Zweitschlägen und nahe der Front durch Drohnenschläge das Rettungspersonal treffen sollen.

Mangelware sind dabei verschiedene Medikamentengruppen, Medizintechnik, aber auch Verbrauchsmaterial wie Verbände und Hygienemittel. Für eine Kinderklinik sowie verschiedene Familienzentren und drei Sozialverbände, die NS-Überlebende in Odesa, Perejaslaw und Sdolbuniv unterstützen, schickten wir größere Mengen an Windeln, Bettauflagen, Feuchttücher, Milchpulver, zudem Verbandsmaterial. Alles wird in der Kriegslage gebraucht: Neben den direkten Kriegsverletzungen gilt es auch alle anderen Patient*innen und menschlichen Bedürfnisse zu versorgen: Windeln und Babynahrung, Inkontinenz-Einlagen für ältere Menschgen und Mittel gegen chronische Erkrankungen.

Die Psychiater*innen berichteten bei unserem Besuch in der Psychiatrie, wie entscheidend die gezielte Behandlung und eine möglichst rasche medikamentöse Einstellung und eine anschließende ambulante Behandlung und Begleitung seien, um den vielen Fällen gerecht zu werden. Die Traumatisierung durch die steten Luftangriffe, aber auch die allgemeine Belastungssituation mit dauerndem Schlagmangel und der vielfachen Belastungen kann jedoch nicht nur psychiatrisch aufgefangen werden. Psychosoziale Unterstützung wie durch die Beratungs- und Therapieangebote der Partnerorganisation Winds of Change setzen früher und breiter an, um den vulnerabelsten Gruppen im Krieg zu helfen.

Direkt und umfassend: Psychosoziale Hilfe von Winds of Change

Die NGO unterhält mehrere Sozialzentren, die Bildung, Kinderbetreuung, Berufsberatung und Therapie (individuell wie für Gruppen) verbinden. Gerade für Familien in Ausnahmesituationen ist diese kombinierte Unterstützung so wichtig, etwa wen sie vor den Frontkämpfen aus den östlichen Regionen wie Cherson flüchten müssen und mit so gut wie nichts in Odesa ankommen oder für die wachsende Zahl an Betroffenen der nahezu täglichen Luftangriffe auf die Stadt, die immer schwerer werden. Wenn von einem auf den anderen Tag eine Familie ohne Wohnung dasteht, hilft Winds of Change direkt und umfassend: Mobile Teams fahren tags wie nachts zu den Angriffsorten und helfen unmittelbar seelsorgerisch, aber auch ganz praktisch: von der Notunterbringung, Kleidung und Power Banks bis hin zu Nothilfeanträgen.

Diese riskante und sehr belastende Nothilfe ging auch in den Tagen rund um den Hilfstransport weiter, mehr als sieben Tage in Folge kam es zu schweren Angriffen auf die Schwarzmeerstadt. Gegen ballistische Raketen ist die ukrainische Luftabwehr weitgehend hilflos, sie sorgen für die größte Zerstörung. Aber auch die vielen kleineren Angriffe mit Shahed-Drohnen belasten den Alltag der Bewohner*innen, etwa wenn Drohnenschwärme nach einer ohnehin schon schlaflosen Nacht gezielt zum morgendlichen Berufsverkehr angreifen und die Menschen auf dem Weg zur Arbeit oder Schule gefährden.

In den Gesprächen hörte das Team des BerlinOdessaExpress, dass viele Menschen versuchen, möglichst stoisch auf diese andauernde Drohkulisse zu reagieren und eigene Routinen dagegen zu entwickeln. Doch zugleich nagen die Unsicherheit und der dauernde Schlafmangel an den Menschen. Umso wichtiger wird in dieser nun schon jahrelangen Krisensituation der soziale Kitt, den die vielen Initiativen wie die Partner wie Winds of Change, Be An Angel oder Mission Lifeline konkret und zwischenmenschlich bilden. Mit dem Transport gingen an sie verschiedene Güter wie Power Stations mit Solarpanlen, IT-Technik, aber auch Geschenke, Bildungs- und Bastelmaterialien. Diese größeren und kleineren Dinge sind mehr als nur eine materielle Unterstützung, sie zeigen unseren Partner*innen und den unterstützen Menschen, dass es weiter eine Verbindung und Solidarität aus Europa gibt.

Neben vielen privaten Spenden unterstützten Apotheker ohne Grenzen und Aktion Sühnezeichen Friedensdienste den Transport finanziell. Danke an alle, die diese #HilfeDieAnkommt möglich gemacht haben!

Eindrücke vom 15. Hilfstransport

Am frühen Morgen, noch 500 Kilometer bis Odesa
Bei der Übergabe von Windeln, Babynahrung und Energietechnik im Familienzentrum von Winds of Change in Odesa.
Psychiater berichten von der Versorgungssituation unter Kriegsbedingungen in Odesa.
Zu Besuch beim jüdischen Opferverband in Odesa. Hier wurden Medikamente und Hygienemittel übergeben.
Bei der Übergabe von Medikamenten an einem Krankenhaus in Odesa.

Vier Tage dauerte die Fahrt Anfang im Juli. Überbracht wurden Medikamente, Hygienemittel, Verbandsmaterial, Energietechnik und Geschenke.